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Wie man das Einkommen der Übersetzer verbessern kann
Thread poster: Serdar Mermey

Laurent KRAULAND (X)  Identity Verified
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Dienstleistungsvertrag Feb 12, 2012

Siegfried Armbruster wrote:

(.../...)

Das sind ganz einfache Fragen, aber für mich als Auftraggeber sind sie für die Auftragsvergabe entscheidend.

Also "Butter bei de Fische" und kein visionären Floskeln mehr. Wir sind für alle möglichen Lösungen offen, aber die obigen Fragen müssen beantwortet und die Antworten dokumentiert sein.


Solche Fragen können elegant und rechtskräftig mittels eines Dienstleistungsvertrages geregelt werden, wobei dieser Vertrag in keinem Fall die Form einer einfachen Bestellung annehmen sollte.

[Edited at 2012-02-12 08:22 GMT]


 

Siegfried Armbruster  Identity Verified
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In memoriam
Das muss vorher geklärt sein Feb 12, 2012

Laurent KRAULAND wrote:
Solche Fragen können elegant und rechtskräftig mittels eines Dienstleistungsvertrages geregelt werden.


Klar, aber das muss vorher geklärt sein, ich habe keine Zeit mit einer basisdemogratischen Kooperative diese Punkte vor jedem Auftrag auszudiskutieren, und dann zu warten bis der Vertrag von der Vollversammlung angenommen wurde.

Hat sich ja aber inzwischen erledigt, da die Kooperative ja auf keine Fall Aufträge von Agenturen annehmen wird. Interessant, dass da die "Basisdemokratie" (ist es doch, oder?) so schnell eine Einigung gefunden hat, aber bei qualitätsrelevanten Faktoren nur Floskeln wie "das A und O" kommen

[Edited at 2012-02-12 08:28 GMT]


 

Bernd Müller (X)
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Wer von Qualität redet/ Ansprüche stellt, sollte zuerst vor der eigenen Tür ... Feb 12, 2012

Wer von Qualität redet/ Ansprüche stellt, sollte zuerst vor der eigenen Tür ...



Ich dachte, Sie haben aufgegeben/ kein weiteres Interesse an dem Thread?

Na ja- wenn Ihnen "A & O" nicht so gefällt- wie wäre es dann, wenn Sie ein wenig mehr auf die eigene Rechtschreibung achten? Da waren min. 3 Fehler dabei!

Etwas anderes- bzgl. Ihrem Profil:
solche Abgaben habe ich nur in Osteuropa gesehen, bei 1-2-3- Mann- Unternehmen- und dann war
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Wer von Qualität redet/ Ansprüche stellt, sollte zuerst vor der eigenen Tür ...



Ich dachte, Sie haben aufgegeben/ kein weiteres Interesse an dem Thread?

Na ja- wenn Ihnen "A & O" nicht so gefällt- wie wäre es dann, wenn Sie ein wenig mehr auf die eigene Rechtschreibung achten? Da waren min. 3 Fehler dabei!

Etwas anderes- bzgl. Ihrem Profil:
solche Abgaben habe ich nur in Osteuropa gesehen, bei 1-2-3- Mann- Unternehmen- und dann war die Qualität nie berühmt (da 3 Leute, selbst Genies, nicht all' diese min. 40 - 50 Fachbereiche BEHERRSCHEN & darin qualitativ hochwertig übersetzen - oder auch nur korrekturlesen- können):

Spezialgebiete:
Medizin (allgemein) Medizin: Kardiologie
Medizin: Gesundheitswesen Medizin: Instrumente
Medizin: Pharmazie Medizin: Zahnmedizin
IT (Informationstechnologie) Computer: Software
Internet, E-Commerce Medien/Multimedia


Arbeitsgebiete:
Psychologie Tourismus und Reisen
Computer (allgemein) Archäologie
Computer: Systeme, Netzwerke Computer: Hardware
Wissenschaft (allgemein) Geografie
Transport/Logistik/Versand Vermessungswesen
Militär/Verteidigung Materialien/Werkstoffe (Kunststoffe, Keramik usw.)
Management/Verwaltung Maschinen/Maschinenbau
Marketing/Marktforschung Produktion/Fertigung
Tiere/Viehzucht/-haltung Landwirtschaft
Anthropologie Kunst, Kunsthandwerk, Malerei
Biologie, Biochemie, Mikrobiologie Werbung/PR
E-Technik/Elektronik Technik (allgemein)
Telekommunikation Industrielle Technik



My main services can be grouped in the following categories:
Document Translation
Software & Web Localization
Localized Film Subtitling
Editing and Proofreading
On Site Consecutive Interpreting
Cultural Consulting and Verification


Bernd
Qualitätsmanager mit DGQ- Zertifikat








Siegfried Armbruster wrote:

...., aber bei qualitätsrelevanten Faktoren nur Floskeln wie "das A und O" kommen

[Edited at 2012-02-12 08:28 GMT]


[Bearbeitet am 2012-02-12 08:53 GMT]

[Bearbeitet am 2012-02-12 09:04 GMT]
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Laurent KRAULAND (X)  Identity Verified
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Eigentlich sehr schade,... Feb 12, 2012

dass Serdar sich so entschieden gegen Agenturkunden gewehrt hat.

Wir wissen doch alle, dass es solche und welche Agenturen gibt.

Mit einem Rahmenvertrag gibt es auf beide Seiten nichts oder kaum etwas zu verhandeln: man nimmt den Vertrag an oder sieht davon ab.

Damit wäre meiner Meinung nach sowohl Übersetzer als auch Kunden ausgeschaltet, die sich gegen Verträge sträuben oder nur von Rechten hören wollen.

Und DIN EN 15038 lässt sich
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dass Serdar sich so entschieden gegen Agenturkunden gewehrt hat.

Wir wissen doch alle, dass es solche und welche Agenturen gibt.

Mit einem Rahmenvertrag gibt es auf beide Seiten nichts oder kaum etwas zu verhandeln: man nimmt den Vertrag an oder sieht davon ab.

Damit wäre meiner Meinung nach sowohl Übersetzer als auch Kunden ausgeschaltet, die sich gegen Verträge sträuben oder nur von Rechten hören wollen.

Und DIN EN 15038 lässt sich auch in Verträgen einbauen, womit auch die berühmt-berüchtigten Qualitätsrügen bei Zahlungsfälligkeitsdatum vermieden werden könnten.

[Edited at 2012-02-12 09:34 GMT]
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Bernd Müller (X)
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Eindeutig: es gibt auch Agenturen, mit denen man zusammenarbeiten kann und sollte! Feb 12, 2012

Eindeutig: es gibt auch Agenturen, mit denen man zusammenarbeiten kann und sollte!

Nennen könnte ich da z.B.:

- in München, Fa. Döring
- bei Aachen: Fa. Tra...? (heute: Rolf Heinfeldner Übersetzungsbüro - in Monschau)

diese beiden fallen mir so auf die Schnelle ein!

Laurent KRAULAND wrote:

dass Serdar sich so entschieden gegen Agenturkunden gewehrt hat.

Wir wissen doch alle, dass es solche und welche Agenturen gibt.



[Bearbeitet am 2012-02-12 14:23 GMT]


 

Serdar Mermey  Identity Verified
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Wenn kein Interessenskonflikt besteht, ist die Annahme dieser Idee eine Zeitsache Feb 12, 2012

Laurent KRAULAND wrote:

dass Serdar sich so entschieden gegen Agenturkunden gewehrt hat.

Wir wissen doch alle, dass es solche und welche Agenturen gibt.



[Edited at 2012-02-12 09:34 GMT]


Hallo Kollege,

ich habe das Problem mit der Zwischenschaltung der Agenturen bereits ausreichend geschildert, nicht angesprochene Punkte dürften vielen Kollegen schon vorher bekannt sein.

Es ist eine prinzipielle Unterscheidung, ob man sich mit den Agenturen zufrieden gibt, oder man lieber Direktkunden haben möchte!

Dass Agenturen nach dem Gewinnmaximierungsprinzip arbeiten, dürfte verstaendlich und allen klar sein: deswegen sind alle, die an dem Zwischenhandel verdienen im Interessenskonflikt.

Deswegen sträuben sich viele Kollegen -die daran mitverdienen- gegen eine solche Gemeinschaft, ohne dieses Interessenskonflikt -in der sie sich befinden- zu erwähnen!

Das Feststellen des Interessenskonflikts dürfte vielen Lesern nicht schwer fallen: dem Weisen reicht ein Zeichen)

Kollegiale und sonntägliche Grüße
Serdar


 
Vom Strukturoligopol des Übersetzungshandels Feb 12, 2012

Ein Gespenst geht derzeit um in Europa, der Winter. Aber damit dürften wir schon einigermaßen zurechtkommen. Ganz andere Probleme haben wir mit dem Strukturoligopol des Übersetzungshandels, ein Ausbeutungskrake, der die Übersetzer voll im Griff hat, auch wenn die ProZcommunarden immer nur betulich von "Agenturen" reden und letzteren bei allem Gejammer unterm Strich dann doch eine wichtige Funktion zusprechen: die Aquise. Übersehen wird dabei gern, dass die Kosten dieser Aquise ausschließli... See more
Ein Gespenst geht derzeit um in Europa, der Winter. Aber damit dürften wir schon einigermaßen zurechtkommen. Ganz andere Probleme haben wir mit dem Strukturoligopol des Übersetzungshandels, ein Ausbeutungskrake, der die Übersetzer voll im Griff hat, auch wenn die ProZcommunarden immer nur betulich von "Agenturen" reden und letzteren bei allem Gejammer unterm Strich dann doch eine wichtige Funktion zusprechen: die Aquise. Übersehen wird dabei gern, dass die Kosten dieser Aquise ausschließlich aus der Abschöpfung der Übersetzerhonorare finanziert wird. Nicht viel anders würden sich die Opfer von Schutzgelderpressung ihre Situation schönreden: Wenn wir unseren Beschützern das Geld nicht geben, kommen die ganz schlimmen Banditen und greifen uns noch tiefer in die Kasse. Dann doch lieber geordnete Verhältnisse und der Mafia regelmäßig opfern, oder? Denn gesetzt den Fall, wir hätten keine Mafia alias "Agenturen", dann wäre ja das blanke Chaos. Schlimmer noch: das pure Nirwana, und niemand auf der Welt wüsste, dass es überhaupt Übersetzer gibt. Die Folge: wir müssten die ganze Werbung und das ganze Dienstleistungs-drum-und-dran mühevoll selber machen, und Aufwand und Kosten dafür wären so hoch, dass per Saldo nicht mehr vom Honorar übrig bleiben würde als unter heutigen Verhältnissen. -Geht's noch? Wer solchen Schwachfug behauptet, sollte sich dringend mal die Jahresumsätze der 100 größten Übersetzungsriesen anschauen.

Von den schlesischen Webern des 18. Jahrhunderts bis zum heutigen elektronischen Tagelöhnerprekariat führt eine direkte Linie. Manche von uns hingegen sprechen gern von einer gegenseitigen Abhängigkeit zwischen Ü-Büro und Übersetzer, von einem Verhältnis auf Augenhöhe. Ich behaupte das Gegenteil. Das Verhältnis zwischen Ü-Büro und Übersetzer ist inzwischen längst ein Verhältnis von Herr und Knecht. Was ja auch nur eine logische Konsequenz des kontinuierlichen Machtzuwachses ist, zu der die Kapitalakkumulation im Übersetzungsgewerbe geführt hat. Von der simulierten Augenhöhe seitens der Masse der Tante-Emma-Agenturen sollte man sich nicht täuschen lassen. In den wesentlichen Belangen können sie gar nicht anders als im Fahrwasser der Mastodonten zu segeln. Und dort spielt im Wesentlichen die Musik. Ich halte daher die in diesem Forum aufgeworfene Fragestellung nach den Bedingungen einer Einkommensverbesserung für strategisch verkürzt. Natürlich kann man diese Frage stellen, aber sie führt zwangsläufig wohin? Richtig, ins Nichts. Sie provoziert den vorwiegend pragmatischen Denkansatz und verzettelt sich mit Fertigteil-Versatzstückchen vermeintlicher Lösungskonzepte. An und für sich richtige Ideen treffen auf an und für sich richtige Einwände und neutralisieren sich gegenseitig. Der im Prinzip richtige Genossenschaftsgedanke trifft auf den im Prinzip richtigen Einwand, dass damit weder in Sachen Verteilungsgerechtigkeit noch etwas in Richtung grundsätzlicher Veränderung der Verhältnisse gewonnen ist. Der pragmatische Ansatz ist eine selbstgestellte Falle, in die zwangsläufig gerät, wer glaubt, Grundsatzfragen außer acht lassen zu können. In einem universalen System der Ungerechtigkeit kann es aber partielle Gerechtigkeit allenfalls als Ideologie geben. Kleine Abschweifung.

Es geht halt nicht nur um Einkommensverbesserung sondern letztlich auch um Menschenwürde und um Kampfansage gegen die Verhältnisse, die uns zum absteigenden Prekariat machen (und diese Skala ist bekanntlich nach unten offen). Schmusekurs und Waffenstillstand gegenüber der Institution Übersetzungshandel ist da völlig fehl am Platz. Man müsste sich der sprachlichen Devotionalien entledigen und zu der schonungslosen Einsicht gelangen, dass der Übersetzungshandel eine sukzessive zurückzudrängende parasitäre Einrichtung ist. Für diese Einsicht unter den Kollegen Bewusstseins-erweiterung zu schaffen, bringt auf die Dauer mehr in Bewegung als alles andere. Soviel vorläufig.



[Bearbeitet am 2012-02-12 12:00 GMT]

[Bearbeitet am 2012-02-12 12:10 GMT]

[Bearbeitet am 2012-02-12 21:53 GMT]

[Bearbeitet am 2012-02-12 21:54 GMT]
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Laurent KRAULAND (X)  Identity Verified
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Wenn eine Agentur nur vermittelt,... Feb 12, 2012

dann soll sie eben nur eine Vermittlungsprovision kassieren - und da sind Beträge in Höhe von 10% vom Auftragswert mehr als genug.

 

Heike Behl, Ph.D.  Identity Verified
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Konkurrenz und personelle Probleme Feb 12, 2012

Wenn die Kooperative nur an Direktkunden interessiert ist, tritt sie damit in direkte Konkurrenz mit Agenturen. Die Konkurrenz unter den Agenturen vor allem um finanziell attraktive Kunden ist enorm. Um erfolgreich konkurrieren zu können und lukrative Kunden an Land zu ziehen, wird eine Kooperative ähnliche Dienste wie die Konkurrenz anbieten müssen. Gute Agenturen - d.h. solche, die wirklich überlebensfähig sind und allen Mitarbeitern ein mehr oder weniger geregeltes Einkommen ermöglichen... See more
Wenn die Kooperative nur an Direktkunden interessiert ist, tritt sie damit in direkte Konkurrenz mit Agenturen. Die Konkurrenz unter den Agenturen vor allem um finanziell attraktive Kunden ist enorm. Um erfolgreich konkurrieren zu können und lukrative Kunden an Land zu ziehen, wird eine Kooperative ähnliche Dienste wie die Konkurrenz anbieten müssen. Gute Agenturen - d.h. solche, die wirklich überlebensfähig sind und allen Mitarbeitern ein mehr oder weniger geregeltes Einkommen ermöglichen - bieten meistens mehr als nur reines Übersetzen an. Sobald weitere Dienste hinzu kommen, werden mehr Spezialisten benötigt und der Verwaltungsaufwand nimmt zu. Oder die Kooperative muss outsourcen - ebenfalls ein nicht unerheblicher Verwaltungsaufwand.

Kunden benötigen oft Übersetzungen in mehrere Sprachen; 10 oder mehr verschiedene Zielsprachen sind durchaus keine Ausnahme. Wiederum muss die Kooperative diese Jobs outsourcen, da es schwierig sein wird, selbst über Übersetzer für alle gefragten Sprachen zu verfügen. Ebenfalls für Sprachpaare, die nicht abgedeckt sind. Auch müssten zumindest die wichtigsten Sprachen doppelt oder dreifach besetzt sein, um alle Aufträge termingerecht erledigen zu können und nicht einen wichtigen Großauftrag/Kunden zu verlieren, nur weil die Übersetzer der Kooperative gerade mit einem anderen Projekt beschäftigt sind.

Dies bringt ebenfalls einen hohen Verwaltungsaufwand (und natürlich auch eine Reduzierung der Gewinnspanne) mit sich, der sich wahrscheinlich am besten durch Mitglieder erledigen lässt, die keine Übersetzer sind, sondern sich vollständig einem jeweiligen Bereich - Kundenakquise, Rechnungslegung, Layout, Technik (zentrale Server, Backups, etc.), Ressourcenverwaltung etc. - widmen.

Was unterscheidet die Kooperative dann noch von einer Agentur? Höchstens der eher demokratische Ansatz und die Gewinnteilung im Gegensatz zu einer hierarchisch strukturierten Agentur.

Und hier sehe ich die eigentlichen Probleme.

- Eine demokratische Abstimmung - nach zeitaufwändigen Diskussionen - für Alles und Jedes wird ebenfalls viel Zeit in Anspruch nehmen, Zeit, die nicht produktiv fürs Einkommen genutzt werden kann. Fühlen sich Mitglieder in ihrer Meinung nicht ausreichend vertreten (z. B. ist es vorstellbar, dass sich in bestimmten Aspekten eine gewisse Polarisierung herauskristallisiert und sich gewissermaßen Gegenparteien bilden), wird es schwierig.

- Die Aufträge sollen "fair" verteilt werden. Fairness ist leider kein absoluter Begriff, sondern wird je nach Perspektive der einzelnen Betroffenen unterschiedlich definiert. Wer entscheidet, was fair ist? Allein die Bestimmung von "fairer" Verteilung sehe ich als sehr problematisch, obwohl man sich bei drei Mitgliedern sicherlich leichter einigen kann als bei 10. Dabei fällt es mir schwer zu sehen, warum eine Kooperative mit drei Mitgliedern besser dastehen sollte als ein einzelner Übersetzer.

- Stellt sich ein Übersetzer als schwach heraus (Qualität, termingerechtes Arbeiten, Kommunikation, zeitliche Verfügbarkeit etc.), kann eine Agentur leicht zu einem alternativen Übersetzer wechseln. Wie werden solche Probleme in der Kooperative geregelt? Bekommt dieses Mitglied weniger Aufträge? Weniger Geld? Wie lange wird diese Person noch Mitglied bleiben? Oder wird das Mitglied ausgeschlossen? Viele dieser Punkte sind sehr subjektiv, und eine disbezügliche Einigung schwierig. Streitigkeiten sind vorprogammiert.

- Ähnliches trifft für erfolgreiche/qualitativ hervorragende Mitglieder zu. Warum sollen sie schwächere Mitglieder mittragen? Und das jedes Mitglied auf seine Weise wirklich gleich viel zu einer Kooperation beiträgt, ist mMn ziemlich utopisch.

- Jedes Mitglied der Kooperative bringt andere Voraussetzungen mit. Wie wird das in der "Fairnessklausel" behandelt? Beispiel: Muss ein Mitglied mit Familie, das wahrscheinlich zeitlich weniger flexible ist als alleinstehende Mitglieder (z. B. Überstunden, Wochenendarbeit), dieses "Manko" irgendwie wettmachen? Auf welche Weise? Oder bekommt es beinahe zwangsweise weniger Aufträge?

- Wie soll die Kundenakquise erfolgen? Marketing? Wie die Rechnungslegung? Zentral oder jeder für sich alleine? Zentral: Wie werden die mit anderen Aufgaben betrauten Mitglieder für ihre Arbeit entgolten? Was ist fair? Natürlich wäre es fair, wenn jedes Mitglied im Wechsel jede der Rollen übernehmen würde. Aber nicht jeder ist gleich gut in allen Bereichen. Warum sollte nicht der eine bestimmte Rolle übernehmen, der dabei die besten Ergebnisse erzielt?

- Wie sieht das mit den Steuern aus? Vor allem, wenn bestimmte Ausgaben wie Investitionen in Geräte oder Dienste, die von allen genutzt werden, abgerechnet werden müssen? Wer ist finanziell und rechtlich haftbar? Eine Gesellschaft bürgerlichen Rechts ist beinahe schon Vorbedingung, was allerdings die internen Probleme nicht einfacher macht. Alles muss vertraglich geregelt werden. Das geht schon kaum ohne Anwalt und entsprechende Kosten ab.

- Wie wird die Arbeitszeit bzw. Urlaubszeit geregelt? Es wird ja kaum möglich sein, dass jeder arbeitet und Urlaubt nimmt, wann es ihm gefällt, weil die Mitglieder in gewissem Maße voneinander abhängen. Werden da keine gewissen Standards eingehalten, wird die faire Verteilung zum Albtraum.


Ich persönlich würde mir jedenfalls diese Art von Stress nicht antun wollen. Ich habe lange genug in einem Unternehmen in Teams gearbeitet, die neben Superkollegen immer auch Problemfälle enthalten haben, die nicht ihre Arbeit machen wollten, sich bemühten, aber qualitativ nachhingen, anderen in den Rücken fielen oder sogar zu ihrem eigenen Vorteil Projekte sabotierten. Es kommt immer wieder zu Situationen, in denen einige die Arbeit von anderen erledigen müssen, damit das Team sein Plansoll erfüllt. Ich bin so froh, dass ich all diese Probleme mit meinem Wechsel zum freiberuflichen unabhängigen Übersetzer hinter mir gelassen habe.

Ich bleibe lieber bei meinen exzellenten Agenturen, die die ganze Arbeit, die nicht direkt mit dem Übersetzen zu tun hat, für mich erledigen, und einigen Direktkunden. Ich liebe meine Unabhängigkeit und das ich - ich allein - die Entscheidungen treffe und für meinen Erfolg oder Misserfolg allein verantwortlich bin. Was hindert einen einzelnen Übersetzer daran, mit entsprechendem Zeit- und Marketingaufwand den Schwerpunkt auf Direktkunden zu setzen?

Bei guten Agenturen sind die Preise, die sie von ihren Endkunden verlangen, voll gerechtfertigt, um zusätzlichen Aufwand wie z.B. druckreifes Desktop-Publishing, Erstellung fertiger lokalisierter Softwarepakete etc. zu finanzieren und den Übersetzern faire Preise zu zahlen. Natürlich gibt es auch Agenturen, die kaum Mehrwert anbieten, als die Übersetzungen an die billigsten Übersetzer weiterzuleiten. Aber mit denen braucht man ja auch nicht zusammenzuarbeiten.

Ich könnte mir eine Art Kooperative höchstens als lockere Zusammenarbeit mit ein paar Freunden (z. B. eine gemeinsame Website, Teamwork beim Übersetzen/Korrekturlesen etc.) vorstellen, aber nicht als Geschäftsmodell.
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Bernd Müller (X)
Germany
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Super & detailliert dargelegt von Heike- und auch ganz meine Meinung! Feb 13, 2012

Insgesamt muss ich sagen:
Super & detailliert dargelegt von Heike- und auch ganz meine Meinung!

Speziell zu den 2 Punkten- s.u.:

1. >>>Schwerpunkt auf Direktkunden zu setzen?
Hat sich bei mir so ergeben: manchmal bekomme ich eine Reihe von größeren Aufträgen von Behörden, aber wenn ich dann wieder mal 1 Monat oder mehr nicht vor Ort bin (ich bin nun ja Rentner; gfrüher passierte das bei längerem Urlaub genauso) haben diese inzwischen einen anderen Üb
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Insgesamt muss ich sagen:
Super & detailliert dargelegt von Heike- und auch ganz meine Meinung!

Speziell zu den 2 Punkten- s.u.:

1. >>>Schwerpunkt auf Direktkunden zu setzen?
Hat sich bei mir so ergeben: manchmal bekomme ich eine Reihe von größeren Aufträgen von Behörden, aber wenn ich dann wieder mal 1 Monat oder mehr nicht vor Ort bin (ich bin nun ja Rentner; gfrüher passierte das bei längerem Urlaub genauso) haben diese inzwischen einen anderen Übersetzer gefunden- und ich arbeite ggf. monatelang nur noch mit Direktkunden. Hat sich so ergeben, ist so gewachsen- und ich habe genügend Direktkunden, meist sogar zum gr. Teil Laufkundschaft (da Großstadt), um nicht bei diesen Behörden für neue Aufträge anzuklopfen (zu müssen)- inzwischen; manchmal tue ich es, manchmal nicht.

Wobei ich hin und wieder mal auch eine/n KollegenIn als Urlaubsvertretung angegeben habe; ist aber wieder so eine Sache, dabei können leicht ein paar Kunden verlorengehen!

2. >>>Kooperative höchstens als lockere Zusammenarbeit
Ist genau auch meine Einstellung- habe ich schon mal gemailt.

3. Immerhin, ein größerer Unterschied zu Agenturen/ Ü- Büros sollte nicht vergessen/ verschwiegen werden:

Der / die Inhaber versuchen oft, einen überdurchschnittlich hohen Anteil des Einkommens für sich einzubehalten, zum Nachteil der Übersetzer. Wenn sie dafür den letzteren nicht die Akquise etc. voll abnehmen, und sie dauernd/ regelmäßig mit Aufträgen versorgen, ist ein Kooperative- Modell ggf. vorzuziehen. Aber letzteres wird ja, wie von Heike dargelegt, auch nie 100%-ig problemlos/ perfekt & fair sein können- es tauchen nur eben z.T. ganz andere Probl. auf.

My 2 cts.






Heike Behl, Ph.D. wrote:

Was hindert einen einzelnen Übersetzer daran, mit entsprechendem Zeit- und Marketingaufwand den Schwerpunkt auf Direktkunden zu setzen?

Ich könnte mir eine Art Kooperative höchstens als lockere Zusammenarbeit mit ein paar Freunden (z. B. eine gemeinsame Website, Teamwork beim Übersetzen/Korrekturlesen etc.) vorstellen, aber nicht als Geschäftsmodell.
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Rolf Keller
Germany
Local time: 20:38
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Verträge? Feb 13, 2012

Laurent KRAULAND wrote:

Solche Fragen können elegant und rechtskräftig mittels eines Dienstleistungsvertrages geregelt werden, wobei dieser Vertrag in keinem Fall die Form einer einfachen Bestellung annehmen sollte.

[Edited at 2012-02-12 08:22 GMT]


Welchen Vertrag meinst du? Es sind zwei oder sogar drei Verträge beteiligt.

Der Werkvertrag, den der Kunde – mit wem auch immer – über die Lieferung der Übersetzung schließt, legt automatisch fest, wer im Problemfall gegenüber dem Kunden haftet - daran kommt man mit keiner noch so raffinierten juristischen Klausel vorbei.

Nun hat Serdar aber gesagt, die Genossenschaft schließe jede eigene Haftung aus und verlagere alles vertraglich auf den Übersetzer . Im Innenverhältnis mag das ja rechtlich möglich sein, aber im Außenverhältnis bedeutet es, dass der jeweilige Übersetzer einen Werkvertrag mit dem jeweiligen Kunden über den jeweiligen Auftrag schließen MUSS. Diesen Übersetzer kennt der Kunde aber zunächst gar nicht, er ruft ja die Telefonnummer der Genossenschaft an.

Wie soll man sich da die Kommunikation aus Sicht des Kunden vorstellen?
"Guten Tag, hier ›Die Superübersetzer eG‹, was kann ich für Sie tun?" --- "Ich habe hier drei Seiten über Mikroelektronik ..." --- "Hm, damit kenne ich mich gar nicht aus, ich bin ja nur Bürokraft. Ich werde mal unsere Übersetzer fragen, wenn einer das kann und Zeit hat, meldet der sich bei Ihnen, spätestens morgen früh."

""Hallo, hier Übersetzer Paul Müller, Sie haben da einen Text über elektrische Mikroskope?" --- "Ach so, über Mikroeektronik. Hm, da bin ich der falsche Übersetzer. Ich gebe die Anfrage mal zurück an unsere Zentrale."

Der Kunde, der mit solchem Procedere zufrieden ist, muss erst noch gefunden werden. Die anderen wollen EINEN Ansprechpartner für alles, und bei dem wollen sie etwas "ganz normal" bestellen, weiter nichts.

Rolf Keller


[Edited at 2012-02-13 11:58 GMT]


 

Armine Kern
Germany
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Rechtsform? Feb 13, 2012

Eine der wichtigsten Fragen zu Beginn einer Geschäftstätigkeit in Deutschland: an welche Rechtsform haben Sie gedacht, Serdar?

Soviel ich weiß, gibt es keine Rechtsform für Kooperativen. Das was Sie vorschlagen, ist quasi eine Firmengründung und nichts anderes, oder? Wie haben Sie sich das sonst vorgestellt, dass ein paar gute Übersetzer einfach so zusammen tun ohne irgend welche Rechtsgrundlage?

Wie soll die Buchhaltung und steuerliche Abwicklung aussehen? Wie k
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Eine der wichtigsten Fragen zu Beginn einer Geschäftstätigkeit in Deutschland: an welche Rechtsform haben Sie gedacht, Serdar?

Soviel ich weiß, gibt es keine Rechtsform für Kooperativen. Das was Sie vorschlagen, ist quasi eine Firmengründung und nichts anderes, oder? Wie haben Sie sich das sonst vorgestellt, dass ein paar gute Übersetzer einfach so zusammen tun ohne irgend welche Rechtsgrundlage?

Wie soll die Buchhaltung und steuerliche Abwicklung aussehen? Wie können die Einnahmen und Ausgaben gegenüber dem Finanzamt vertreten werden?

Also, das kann nur in Form einer Übersetzungsagentur bzw. einem Übersetzungsbüro funktionieren, und davon gibt es genug, auch sehr erfolgreiche! Sie haben nichts Neues "entdeckt". Außer natürlich, der Ort der Geschäftstätigkeit liegt NICHT in DEutschland.

Ich verstehe die allgemein negative Einstellung zu Agenturen nicht. Ich arbeite seit Jahren mit erfolgreichen Agenturen zusammen, die an andere Direktkunden "rankommen" als ich, und bin sehr zufrieden. Mir macht es nichts aus, dass sie auf meine Preise teilweise 30-50% daraufschlagen: wenn sie das verkaufen können, ist doch in Ordnung, ich verdiene ja auch genug !!

[Bearbeitet am 2012-02-13 14:19 GMT]
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Serdar Mermey  Identity Verified
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entweder machen wir so weiter oder organisieren uns! Feb 13, 2012

Heike Behl, Ph.D. wrote:

Wenn die Kooperative nur an Direktkunden interessiert ist, tritt sie damit in direkte Konkurrenz mit Agenturen. Die Konkurrenz unter den Agenturen vor allem um finanziell attraktive Kunden ist enorm. Um erfolgreich konkurrieren zu können und lukrative Kunden an Land zu ziehen, wird eine Kooperative ähnliche Dienste wie die Konkurrenz anbieten müssen. Gute Agenturen - d.h. solche, die wirklich überlebensfähig sind und allen Mitarbeitern ein mehr oder wen
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Heike Behl, Ph.D. wrote:

Wenn die Kooperative nur an Direktkunden interessiert ist, tritt sie damit in direkte Konkurrenz mit Agenturen. Die Konkurrenz unter den Agenturen vor allem um finanziell attraktive Kunden ist enorm. Um erfolgreich konkurrieren zu können und lukrative Kunden an Land zu ziehen, wird eine Kooperative ähnliche Dienste wie die Konkurrenz anbieten müssen. Gute Agenturen - d.h. solche, die wirklich überlebensfähig sind und allen Mitarbeitern ein mehr oder weniger geregeltes Einkommen ermöglichen - bieten meistens mehr als nur reines Übersetzen an. Sobald weitere Dienste hinzu kommen, werden mehr Spezialisten benötigt und der Verwaltungsaufwand nimmt zu. Oder die Kooperative muss outsourcen - ebenfalls ein nicht unerheblicher Verwaltungsaufwand.

Antwort: letztenendes wird doch die Übersetzung/Korrektur/Lektorat von, einfach gesagt, Übersetzern erledigt. Die Agenturen verdienen an den Übersetzern. Komischerweise gehen viele Beitraege in Richtung -etwas salopp ausgedrückt- "Die Agenturen sollen bleiben, wir als freischaffende Übersetzer möchten deswegen gerne weniger verdienen. Wir möchten dass der Zustand so bleibt." Entsprechend wird argumentiert. Genau das Gegenteil aber müssten/sollten freischaffende Übersetzer verteidigen!

Die Kooperative hat meinetwegen zunaechst eine Zahl von 1000 Übersetzern erreicht, aus den meist gefragten Sprachen und Fachgebieten. Sie gibt die Auftraege selbstlos an ihre Mitglieder -die in dieser Kooperative organisiert sind- weiter. Behaelt nur einen geringen Verwaltungsaufwand, welcher auch von den Übersetzern bestimmt wird. Da keine Gewinnabsicht vorliegt, werden die Agenturen mit der Kooperative nicht mithalten können. Und hier ist der Ansatz vieler Argumentationen: INTERESSENSKONFLIKT ! Ist es nicht so Kollegen: Die Agenturen und deren Nutzniesser sehen ihre Einnahmequelle als gefaehrdet und wollen deswegen keine Kooperative!
Entsprechend wird argumentiert)

Was eine Agentur anbietet, kann eine Kooperative -da sie mehr Möglichkeiten aufgrund der größeren Anzahl ihrer Mitglieder- hat laengst anbieten. Und zwar zu einem erheblichen günstigeren Preis! Wir dürfen daher bei der Argumentation nicht so tun, als wüssten freischaffende Übersetzer das nicht.

Entsprechend müssten die Argumentationen UNPARTEIISCH überdacht werden.

Jeder Übersetzer haftet selbst für seine Übersetzung und verdient soviel, wie er arbeitet.
Die Kooperative ist nicht von oben mit einer Hierarchie aufgebrummt, sondern wird durch die Übersetzer (und einem Vetretungsgremium) nach aussen vertreten. Die Einzelheiten wie Rechnung und Marketing bestimmen und regeln sie selbst.

Es kommt keiner von aussen, der sagt, so und so müsst ihr das regeln. Im Gegenteil, die Übersetzer und Dolmetscher stimmen -was wie geregelt sein soll- das unter sich ab!

Dazu die Einzelheiten müssen vorher beraten und in einer Satzung festgehalten werden.

Summa sumarum: entweder machen wir weiter mit Dumpingpreisen und gegenseitiges Ausbieten -weswegen viele Kollegen, mit denen ich kommuniziert hatte, erst gar nicht mehr bei proz.com und Co. Angebote abgeben, sondern bei Messen, IHK und Fachtagungen usw. Direktkunden finden- oder organisieren uns in Form von Genossenschaft, Kooperative und Aehnlichem.

Die Freischaffenden sind angesprochen und gefragt!

Kollegiale Grüße
Serdar

[Bearbeitet am 2012-02-13 15:42 GMT]
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opolt  Identity Verified
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Da komme ich nicht mehr mit Feb 13, 2012

Serdar Mermey wrote:

...

Die Kooperative hat meinetwegen zunaechst eine Zahl von 1000 Übersetzern erreicht, aus den meist gefragten Sprachen und Fachgebieten. Sie gibt die Auftraege selbstlos an ihre Mitglieder -die in dieser Kooperative organisiert sind- weiter. Behaelt nur einen geringen Verwaltungsaufwand, welcher auch von den Übersetzern bestimmt wird. Da keine Gewinnabsicht vorliegt, werden die Agenturen mit der Kooperative nicht mithalten können.

...

1000 Mitglieder und ein "geringer Verwaltungsaufwand"? Das meinst du wohl nicht im Ernst, Serdar. Und warum sollte jemand die Dienste der Kooperative in Anspruche nehmen, wenn sie mit ihrem geringeren Aufwand ohnehin keinen besonders großen Mehrwert schaffen kann, verglichen mit Agenturen?

Und was das Gewinnstreben betrifft, so ist es, wenn es sich verselbständigt, durchaus verwerflich. Nur dürfte das gerade bei den Unternehmen unserer Branche eher die Ausnahme sein. Die Zahlungsmoral vieler Agenturen spricht eine andere Sprache: Viele von den Kleineren operieren ganz offensichtlich am Rande des Nichts. Ferner liegt der "Gewinnabsicht" u.a. die Notwendigkeit zugrunde, dass man gezwungen ist, einen großen Teil der Einnahmen wieder zu investieren. Das ist seit langem bekannt, und dieser Dynamik kann sich niemand entziehen -- kann man z.B. bei Karl Marx nachlesen ;-]

Deinen Einsatz für die Wert der Arbeit der Übersetzer in allen Ehren, Serdar. Ich will deine Bemühungen nicht lächerlich machen. Aber ich muss trotzdem sagen, ich sehe in deinen Erwägungen einen hohen Phantasiegehalt. Wie gesagt, es kommt ja immer auf die Praxis an, nicht auf theoretische Erwägungen. In diesem Sinne würde ich dich sogar ermutigen bei deinem Vorhaben. Aber der allererste Schritt müsste dann darin bestehen herauszufinden, warum das Modell der Kooperative bisher bei Übersetzern (und vergleichbaren Selbständigen) so geringen Anklang gefunden hat, und wie es den wenigen vorhandenen Kooperativen bisher wirklich ergangen ist.

Nicht auszuschließen, dass man dabei einige unangenehme Entdeckungen macht -- vielleicht sogar bei sich selbst (mich persönlich will ich dabei gar nicht einmal ausnehmen). Was das kooperative Potential der selbständigen Übersetzer betrifft, so kann sich hier jeder auf ProZ selbst ein Bild machen.

Wer will, der werfe den ersten Stein.



[Edited at 2012-02-13 16:16 GMT]

[Edited at 2012-02-13 16:17 GMT]


 

Heike Behl, Ph.D.  Identity Verified
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Milchmädchenrechnung Feb 13, 2012

Serdar Mermey wrote:


Die Kooperative hat meinetwegen zunaechst eine Zahl von 1000 Übersetzern erreicht, aus den meist gefragten Sprachen und Fachgebieten. Sie gibt die Auftraege selbstlos an ihre Mitglieder -die in dieser Kooperative organisiert sind- weiter. Behaelt nur einen geringen Verwaltungsaufwand, welcher auch von den Übersetzern bestimmt wird. Da keine Gewinnabsicht vorliegt, werden die Agenturen mit der Kooperative nicht mithalten können. Und hier ist der Ansatz vieler Argumentationen: INTERESSENSKONFLIKT ! Ist es nicht so Kollegen: Die Agenturen und deren Nutzniesser sehen ihre Einnahmequelle als gefaehrdet und wollen deswegen keine Kooperative!
Entsprechend wird argumentiert)


- Ist das kein Widerspruch in sich?
Wer ist denn Deine "selbstlose, nicht an Gewinn interessierte" Kooperative? Die 1000 Übersetzer. Aha, und die sollen nicht an Gewinn interessiert sein?
- Wie viel ist "ein kleiner Verwaltungsaufwand"? Wenn Deine Kooperative erfolgreich sein will, braucht sie - vor allem bei 1000 Mitgliedern - Leute, die sich voll und ganz bestimmten Aufgaben widmen, sonst endet alles im Chaos. Diese Leute werden das nicht aus der Güte ihres Herzens tun, sondern wollen angemessen bezahlt werden. Da wird pro Projekt schon einiges von dem, was der einzelne Übersetzer erhält, abgezogen werden müssen.

Was eine Agentur anbietet, kann eine Kooperative -da sie mehr Möglichkeiten aufgrund der größeren Anzahl ihrer Mitglieder- hat laengst anbieten. Und zwar zu einem erheblichen günstigeren Preis!

- Wie kommst Du zu dieser Behauptung? Agenturen haben Datenbanken mit mindestens ebenso vielen Übersetzern und anderen Anbietern, deren Dienste sie benötigen.
- Deine Kooperative besteht ausschließlich aus Übersetzern. Jede halbwegs vernünftig agierende Agentur besitzt mindestens jemanden, der ausschließlich für die Akquise zuständig ist, jemanden für die Rechnungslegung und eine ihrem Umsatz entsprechende Zahl an Projektmanagern. Ganz zu schweigen, von anderen Mehrwertangeboten, bei denen Deine Übersetzerkooperative nicht mithalten kann. Allein hier kommt Deine Behauptung, die Kooperative verfüge über mehr Möglichkeiten als eine Agentur ins Wanken.
- Du sprichst zwar ein paar Aufgaben an, die Mehraufwand an Zeit und Kosten mit sich bringen, aber diese Zeit und Kosten sollen wohl alle selbstlos von allen Mitgliedern aufgebracht werden, oder wie zuvor erwähnt, durch Beiträge finanziert werden. Finde da einmal Leute - von 1000 ganz zu schweigen -, die da mitmachen wollen.
- Wie soll ein "loser Haufen von 1000 Übersetzern" sich selbst problemlos organisieren, ohne ständig Sitzungen, Diskussionen, Abstimmungen durchführen zu müssen? 1000 Leute müssen organisiert werden, und das lässt sich ohne immensen Zeitaufwand nur in einer gewissen Hierarchie durchführen. Also müsste Deine Kooperative Aufgabenträger in regelmäßigen Abständen wählen. Und wiederum vertraust Du darauf, dass Übersetzer derartigen Mehraufwand an Arbeitszeit unentgeltlich, ausschließlich zum Wohl der Kooperative hinnehmen. Das wird nicht funktionieren. Allein das Prinzip, dass eine nicht an Gewinn interessierte Kooperative sich aus an Gewinn interessierten Übersetzern zusammensetzt, ist mMn an unvereinbarer Widerspruch.



Jeder Übersetzer haftet selbst für seine Übersetzung und verdient soviel, wie er arbeitet.
Die Kooperative ist nicht von oben mit einer Hierarchie aufgebrummt, sondern wird durch die Übersetzer (und einem Vetretungsgremium) nach aussen vertreten. Die Einzelheiten wie Rechnung und Marketing bestimmen und regeln sie selbst.
(...)
Dazu die Einzelheiten müssen vorher beraten und in einer Satzung festgehalten werden.

- Aber dennoch sollen die Aufträge von oben herab auf irgendeine "faire" Weise verteilt werden. Das allein ist schon hierarchisch.
- Zusätzlich zu ihrer normalen Übersetzerarbeit, die, wie wir alle wissen, oftmals sehr zeitaufwändig sein kann, sollen die Übersetzer quasi ehrenamtlich alle möglichen Aufgaben übernehmen?
- Bei 1000 Mitgliedern (die ich eh sehr utopisch finde) kann man sich vorstellen, wie lange es dauert, so eine Satzung voll demokratisch zu beraten und festzuhalten.
- Wenn eine Person im Namen der Kooperativen die Akquise und die Verteilung der Aufträge übernimmt, wird damit die Kooperative zum Ansprechpartner für Kunden (auch in rechtlichen Angelegenheiten) und in deren Augen verantwortlich für die Qualität der Übersetzung. Nicht individuelle Übersetzer. Wenn sich da die Kooperative aus ihrer Gesamtverantwortung für das entziehen wollen, was sich bei den alltäglichen Geschäftsabläufen tut, muss das auch bis ins kleinste Detail vertraglich mit Anwalt etc. aufgesetzt werden, falls das überhaupt gesetzlich zulässig ist. Und auch da sehe ich Probleme, dass die Übersetzer alle mitspielen würden.
- Was hindert einzelne Übersetzer daran, nachdem sie für ein paar lukrative Direktkunden gearbeitet haben, sich von der Kooperative, die für sie so viel Mehrarbeit und eventuell sogar Mitgliedsgebühren bedeutet, abzusetzen und die Kunden mitzunehmen?

Natürlich erscheint Dein Plan auf den ersten Blick wunderbar, aber ist er wirklich realistisch? Du gehst nicht auf einige sehr heikle Punkte ein. Bitte erkläre mir z.B., wie Du bei 1000 Übersetzern die Aufträge fair verteilen willst, ohne dass sich einzelne Übersetzer übergangen fühlen, Neid und Streitigkeiten unter den Übersetzern aufkommen und die Qualität gewahrt wird.


 
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